Hifi Boxen Praxis
Die Objektivität branchenüblicher Hörvergleiche
Branchenübliche Hörvergleiche
Bei allen Lautsprechervergleichen müsse Sie
darauf achten, dass die zu vergleichenden Boxen
gleich laut eingestellt sind. Im Handel gibt es dazu
Lautsprecher-Umschaltkästchen, die vom Händler
zwischen den Verstärker und die zum Vergleich
angeschlossenen Lautsprecher geschaltet werden.
Ein „Vergleich“ mit dieser Methode fällt immer zu
Ungunsten der wirkungsstärkeren, also lauteren
Box aus, obwohl diese ansonsten mit ziemlicher
Sicherheit besser wäre. Wie ist das zu erklären?
Für die leisere Box bleibt der Regelwiderstand auf
Null eingestellt, während die lautere auf das Empfindlichkeitsmaß der leiseren heruntergeregelt
wird. Der künstliche induktive Widerstand in den
Zuleitungen der wirkungsstärkeren Box wirkt sich
aber auf das Klangbild aus wie ein Klotz am Bein.
Teure niederohmige Lautsprecherzuleitungen mit
großem Querschnitt, deren klangliche Notwendigkeit
sonst allgemein anerkannt ist, werden durch
solche Manipulationen völlig nutzlos.
Richtiger A/B-Vergleich
Bei jedem korrekten Hörvergleich müssen
die Hochtöner der Boxen in etwa auf gleicher
Höhe stehen. Auch der Wandabstand, die
räumliche Beziehung zu den Zimmerecken
sowie die Basisbreite des Stereodreiecks sollten ähnlich sein. Weiterhin sollten Sie bei allen
Hörvergleichen unbedingt darauf achten,
dass beide Vergleichsboxenpaare am selben
Verstärker direkt angeschlossen werden und
nur mit Hilfe des Lautsprecherwahlschalters
verglichen werden. Jede andere Umschaltanlage
kann durch Übergangswiderstände an Schaltern
und Anschlüssen, aber auch durch zu dünne
und zu lange Anschlusskabel einen ungünstig
hohen Innenwiderstand haben. Dieser wirkt
sich wiederum besonders nachteilig auf die
niederohmige Box aus.
Das ist am Beispiel leicht zu ersehen: Ein Innenwiderstand
von 1 Ohm in der Umschaltung
verändert den Gesamtanschlusswert einer
4-Ohm-Box um 25 %, den einer 8-Ohm-Box
aber nur um 12,5 %.
A/B-Vergleich unterschiedlich lauter Boxen
Beim Vergleich unterschiedlich lauter Boxen
ist folgende Vorgehensweise am objektivsten:
Sie hören ein Musikstück, das Sie gut kennen
etwa 30 Sekunden lang mit den Boxen A, dann
drehen Sie den Lautstärkeregler ganz zurück und
schalten auf die Boxen B um. Nun drehen sie den
Lautstärkeregler erneut auf, bis ein gehörmäßig
gleichlauter Schallpegel wie beim vorherigen
Boxenpaar erreicht ist. Nach mehrmaliger
Wiederholung mit möglichst unterschiedlichen
Musikbeispielen können Sie sich schnell in die
charakteristischen Klangmerkmale einhören und
sich auch im Vergleich mit unterschiedlich lauten
Boxen ein weitgehend korrektes Urteil bilden.
Die Glaubwürdigkeit von Tests
Auf die Frage nach objektiver Berichterstattung
und objektiven Tests gibt es keine allgemeingültige
Antwort. Viele Fachzeitschriften erwecken
auf Grund ihrer Aufmachung den Eindruck von
Sachkenntnis und Professionalität. Wie aber sieht
es damit in Wirklichkeit aus?
Wie jede andere Zeitschrift leben auch HiFi-Zeitschriften
in erster Linie vom Anzeigengeschäft,
denn ohne die Anzeigen wären die Hefte
mindestens viermal so teuer und die verkaufte
Auflage entsprechend geringer. Werbung ist
somit kein schmückendes Beiwerk, sondern
gewinnbringend und finanziell lebensnotwendig
für die HiFi-Magazine. Veröffentlicht nun eine
Fachzeitschrift einen Warentest über einen
Hersteller, der gleichzeitig Anzeigenkunde
bei dem Magazin ist, dann gehört schon eine
gewisse „Diplomatie“ mit dem Hersteller zum
Handwerkszeug der Zeitschriftenredaktion. Es
wäre an dieser Stelle nicht fair, zu behaupten,
dass diese Vorgehensweise bei allen HiFi-
Magazinen gleich wäre. Es gibt durchaus auch
Zeitschriften, die sachlich und nachvollziehbar
berichten, während andere weniger objektiv
urteilen. Hersteller, die bei den letztgenannten
nie eine Werbeseite buchen, haben bei Testveröffentlichungen ihrer Produkte meist nicht
viel zu lachen und finden sich auffallend oft am
Tabellenende der „Testberichte“ wieder.
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